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Leben in der Schweiz

Geradezu herrlich hier!

Schon im privaten Kreise werde ich ja nicht müde, allgemein die Vorzüge der Schweiz zu lobpreisen. Dies hier jetzt auch noch im Internet zu tun, erschiene mir zwar etwas zuviel des Guten (das wird andernorts erheblich besser gemacht), dennoch möchte ich hier auch noch ein paar Anmerkungen loswerden.

Jetzt geht's lo-hos

Schweizerdeutsch, zum Ersten

Es ist eine Illusion, Schweizerdeutsch erlernen zu wollen. Ich habe schon Schwaben hier getroffen, die seit 50 Jahren in der Schweiz verheiratet sind; das Schwäbisch war noch immer sozusagen akzentfrei, dem Schweizerdeutsch hat man die Nicht-Schweizer Herkunft deutlich angehört.
Man muß aber auch kein Schweizerdeutsch sprechen, den Schweizern gefällt weder die Anbiederei noch die gleichzeitige Vergewaltigung ihrer Sprache. Es gibt allerdings ein paar Dinge, die zu wissen das Leben ein wenig (ok, ein ganz klein wenig) leichter machen - spezielle Ausspracheregeln und "Binnenschweizer" Worte nämlich.

  • y
    • Für Deutsche eine der grössten Hürden: wie spreche ich das "y"? (Schon der Buchstabe selber macht Probleme, denn ihn "ypsilon" zu nennen ist nicht selbstverständlich, oft wird auch er auch französisch "i grècque" genannt.)
      In Deutschland wird "y" meist als "ü" ausgesprochen, in der Schweiz erkennt man die Neuzuzüger daran, daß sie vom schönen Kanton Schwüz und der Tennisspielerin Patty Schnüder schwärmen. Brrr.
      Das "y" spricht sich wie ein langes "i" aus und entspricht daher am ehesten dem deutschen "ie". Der Kanton heiß also "Schwiiiz" und die Tennisspielerin "Schniiider".
  • Diphthonge
    • "Wenn also die Schweizer das "ie" gar nicht brauchen, was machen sie dann damit?" fragt nun der aufmerksame Leser, womit wir bei der zweiten Besonderheit sind. Einige Diphthonge (die mit "e" als zweitem Buchstaben) werden als einzelne Buchstaben ausgesprochen, etwa so als hätte das "e" ein Trema (ë). Aus dem deutschen Dieter wird in der Schweiz der Di-eter und wer den Schweizer Ueli nicht U-eli sondern Üli ausspricht macht sich zur Lachnummer.
      Da es nicht zu einfach werden darf, dürfte klar sein, daß andere Diphthonge, namentlich das "au" auch anders behandelt werden. Aus "Haus", "Maus" und "Bauer" wird ausgesprochen dann "Huuus", "Muuus" und "Buuur". Nebenbei ist es so dann auch klar, was der Unterschied zwischen "Müsli" und "Müesli" ist. Das erstere ist eine kleine Maus, letzteres eine Mahlzeit (die sich, s.o., getrennt spricht: "Mü-esli").
  • Schweizer Worte und Wendungen
    • überkommen
      Wer seinen Schweizer Kollegen irgendetwas fragt, ob er z.B. seine Mail erhalten habe, kann sich glücklich schätzen, ein kurzes "Ja!" als Antwort zu erhalten. Sehr viel häufiger wird der höfliche Schweizer im ganzen Satz antworten: "Han i übercho!"
      "Überkommen" ist Schweizerdeutsch für "bekommen" oder "erhalten". Wer sich nun wundert, hat Golo Manns "Wallenstein" nicht aufmerksam genug gelesen. Wallenstein benutzt sehr oft "überkommen", was m.E. darauf hindeutet, daß nicht die Schweizer ein komisches Wort verwenden, sondern der Rest der Welt sich hat modernistisches Neusprech aufdrängen lassen.

    • Zeltli
      Ein "Zeltli" ist keine Übernachtungsgelegenheit für hartgesottene Berufsjugendliche, sondern ganz banal ein Bonbon (schwäbisch: Bombole). Die edle Version sind "Halter Zeltli", wirklich sehr gut - aber pervers teuer.


Schweizer sind cooler
Bin Laden

Schweizer gelten ja nicht unbedingt als inspirierte und coole Mitmenschen. Wie so oft, ist auch dieses Klischee natürlich falsch. Es gibt solche und solche, wie überall. Was ich aber bemerkenswert fand ist diese Aussage in einem dieser furchtbar blöden Interviews dieser furchtbar blöden Gatiszeitungen, von denen auch die Schweiz nicht verschont blieb.
Dieses Interview erschien noch zur Blütezeit des 9/11-Wahns, im Herbst 2002. Die politische Unkorrektheit ist so gross und so herrlich - man möchte den Mann umarmen.
Wer das ganze Interview sehen will kann das hier tun.

Schweizerdeutsch, zum Zweiten
Schweizerdeutsch in der Stellenanzeige

Hier nun eine praktische Anwendung des oben Gelernten. Ich setze voraus, daß bekannt ist, daß die Schweizer Schweizerdeutsch sprechen (die Deutschschweizer natürlich nur). Auch bekannt dürfte sein, daß es viele lokale Dialekte gibt, die allerdings für das ungeübte Ohr eines Deutschen schwer zu unterscheiden sind.
Das Ganze wird auf die Spitze getrieben von geschriebenem Schweizerdeutsch. Da es keine verbindliche Rechtschreibung des Schweizerdeutschen gibt, darf ein jeder hier nun versuchen, seinen Dialekt so gut wie möglich niederzuschreiben. Hauptsächlich findet man dies im privaten Bereich, bei Einladungen, Glückwunschkarten, Todesanzeigen (!), etc.
Sensationell fand ich daher diese, im Dezember 2001 in der "Neuen Zuger Zeitung" erschienene, Stellenanzeige auf Schweizerdeutsch.
Leider höre ich jetzt schon wieder meine deutschen Landsleute lachen - aber Ihr versteht das halt nicht. Das ist nicht witzig, das ist nur gut!
Problematisch ist allerdings, dass so eine weithin akzeptierte, regelfreie Alternative zur "richtigen" Schriftsprache entstanden ist - mit vorhersehbaren Auswirkungen auf Orthographie und Ausdrucksfähigkeit.

Käsefondue

Kaum ist diese Seite online kommt auch schon die Reklamation von PMZ, ich möge doch bitte auf die Schweiz als Quelle erstklassigen Fertig-Käsefondues (wobei er das von Gerber bevorzugt, glaube ich) hinweisen.
Den Teufel werde ich.
Ich sitze hier an der Quelle für superduperselbstgemachtes Fondue, wer will denn da den Fertigkram? Und weil funktionierende Rezepte für Käsefondue rar sind, hier gleich noch das bewährte Rezept meiner Schwiegermutter:

  • pro Person ca. 75-100ml Weißwein (mit kräftiger Säure) in den Caquelon geben, nach Geschmack Knoblauch dazu (für mich: 2 Zehen)
  • Caquelon auf dem Herd langsam erwärmen und den geriebenen Käse (pro Person ca. 150-200g), 4-5 gestrichene TL Maizena (dt.: Mondamin) und 1 TL Zitronensaft in den Caquelon geben
  • immer kräftig rühren
  • unter weiterem kräftigem Rühren aufkochen und mit Kirschwasser, Pfeffer und Muskat würzen
  • auf das Rechaud stellen und essen

Na also, so schwer ist das doch gar nicht. Wichtig ist, daß man mit dem Brotstück immer gut umrührt, vor allem auch am Boden des Caquelon, damit nichts anbrennt. Wenn man das Anbrennen unbedingt vermeiden möchte, wird leider aus dem gemütlichen Fondueessen leicht ein hektisches Caquelon-leer-machen.
Das kann man vermeiden, wenn man einen Brenner benutzt, der auch auf eine sehr kleine Flamme eingestellt werden kann - und wenn man das Umrühren soweit organisiert, daß möglichst immer eine Person gerade rührt. Längere Pausen, in denen keiner rührt sind suboptimal.
Wenn allerdings DAS Fonduemalheur schlechthin passiert, das Fondue nämlich gerinnt und sich in eine fettige Masse und eine dünne Brühe trennt, hilft Rühren erstmal nichts mehr, es ist zuwenig Säure im Fondue. Da war dann entweder der Weißwein nicht "sauer" genug - oder es wurde kein Zitronensaft zugegeben.
In so einem Fall muß das Fondue zurück auf den Herd und unter kräftigem Rühren (also doch!) sollte ein TL Maizena, in etwas Zitronensaft aufgelöst, zugegeben werden. Gerettet!

  • Käse
    • Natürlich ist der Geschmack des Fondue abhängig vom verwendeten Käse. Ich selbst bevorzuge ein reines Gruyère-Fondue. Andere Varianten sind das "Appenzeller"-Fondue (eben nur aus Appenzeller) oder das bekannte "Moitié-moitié" (aus 50% Gruyère und 50% Vacherin fribourgeois).
      Nur völlig Hirnamputierte machen Fondue aus Emmentaler!
  • Brot
    • Es kommt nur Stangenweißbrot, in handliche Würfel geschnitten, in Frage (im Notfall auch ein Tessinerbrot, das gibt es aber eh nur in der Schweiz). Man rechnet etwa 150-200g pro Person.

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann!"
W. Tell